Die Farben der Trauer

Bereits im Altertum war es Sitte, durch besondere Kleidung und deren Farbe Trauer zu signalisieren. Im mitteleuropäischen und nordamerikanischen Kulturkreis wird seit spätestens dem 19. Jahrhundert darauf geachtet, dass die Farbe der Bekleidung Schwarz oder zumindest sehr dunkel ist, weil Schwarz in der westlichen Welt unter anderem den Tod symbolisiert. Weiß gilt unter anderem in Asien bzw. in buddhistisch geprägten Ländern bis heute als Trauerfarbe. Im alten Ägypten galt die Farbe Gelb als Zeichen der Trauer. Violett steht bis heute in Brasilien als Farbe der Trauer, während man in Mexiko Orange und in Ghana Rot mit dem Tod in Verbindung bringt.

Trauer ist also kunterbunt wenn man sie einmal aus einer anderen Perspektive betrachtet.

Sie kommt in ganz vielen verschiedenen Gefühlen daher, und das ist nur möglich, weil wir uns erinnern. Sie verbindet uns Menschen miteinander wenn gemeinsam erinnert wird. Die Erinnerungen halten unsere Beziehung zu unseren geliebten Menschen lebendig. Was macht es mit uns, wenn dann sogar gemeinsam gelacht werden kann? In diesem Moment ist unser geliebter Mensch ganz nah! Und ganz automatisch fallen uns mehr und mehr Erinnerungen ein. Wie besonders und schön ist dieser Moment! Das sind unsere Lichtblicke in so trüben Tagen und da werden unsere Gefühle auch für einen Moment wieder bunter.

Nur wenn wir geliebt haben, können wir auch trauern!

Meine Trauer ist rot
für all die Liebe in mir.
Meine Trauer ist blau
für die Einsamkeit, die Leere

und alle ungestillten Sehnsüchte.
Meine Trauer ist schwarz
für die Verzweiflung und den Abgrund in meiner Seele.
Meine Trauer ist braun
für das Ringen um Boden unter meinen Füßen.
Meine Trauer ist gelb
für alle Schätze, die mir dennoch zuteilwerden,

für das Licht, das immer wieder für mich scheint

und für die Menschen, die die Sonne zu mir bringen.
Meine Trauer ist grün
für die Hoffnung, die Zuversicht und

das Wissen darum, dass es immer weiter geht.
Meine Trauer ist weiß
für alle Schutzengel, die mich an der Hand halten,

mich trösten und Balsam meiner Seele sind und

für die Kraft, die mich durch diese Zeit trägt,

ohne dass ich ihren Ursprung kenne.
Meine Trauer ist bunt wie ein Kaleidoskop
für alle Gefühle in mir, die sein wollen und

ein dürfen. Ich lasse sie zu und halte sie aus,

gebe ihnen Raum zum Leben und zur Verwandlung.

(Andrea Böttler)

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